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Das Kommando über die ‚Kampfgruppe Mitte' übernahm daraufhin Oberstleutnant Karl Brumshagen, der Jürgens später als Vorsitzender eines Standgerichts zum Tode verurteilen sollte. Aufgrund seiner Erkundigungen war Dr. Wiedenhofen davon überzeugt, dass Jürgens der geeignete Mann war, um die weiteren Pläne der Gruppe zu unterstützen. Das erste Treffen zwischen der Wiedenhofen-Gruppe und Oberstleutnant Jürgens fand erst am 14. April 1945, also erst zwei Tage vor der "Aktion Rheinland" statt. Im späteren Prozess gegen Florian, Brumshagen und Gesell berichtete der Zeuge, Polizeioberinspektor Richard Becher, dass Jürgens an diesem Tage mit der Widerstandsbewegung Verbindung aufgenommen habe. Zur Tarnung hatte er erklärt, er sei in Luftschutzangelegenheiten unterwegs.

Zu diesem Zeitpunkt muss der Wille, sich durch eine Aktion aktiv gegen das NS-Regime zu stellen, sowohl bei den Mitgliedern der Wiedenhofen-Gruppe, als auch bei Oberstleutnant Jürgens stark gewesen sein. Durch die fortgesetzte Belagerung, den andauernden Beschuss durch die Artillerie der Alliierten und den großspurig propagierten Durchhaltewillen von Partei- und Wehrmachtsführung auf der anderen Seite, war ein schreckliches Ende für die Stadt Düsseldorf abzusehen. Man hatte erkannt, dass Düsseldorf endgültig verloren sein würde, wenn man jetzt nichts unternahm. Den Ablauf der geplanten Aktion besprach die Gruppe am nächsten Tag. Ob Jürgens an diesem Gespräch teilgenommen hat, ist nicht bekannt.

Man war sich darüber einig, dass die NS-Führung ausgeschaltet werden musste. Mit Hilfe vonJürgens und seiner Schutzpolizei sollte schnellstmöglich eine Aktion zur Rettung der Stadt erfolgen. Lauxtermann drängte bei der Besprechung auch auf die Festnahme des Gauleiters Florian. Durch Dr. Karl Müller wurde Aloys Odenthal noch am gleichen Tage über das Vorhaben informiert. Dieser schlug vor, Theodor Andresen mit in die Aktion einzubeziehen. Andresen war als Bauunternehmer tätig. Bis zum Jahre 1943 war er als Soldat am Ostfeldzug beteiligt gewesen. Hier hatte er das Grauen des Krieges kennen gelernt und war durch seine Erlebnisse zutiefst betroffen. Schwer verletzt war er dann aus der Wehrmacht ausgeschieden. Odenthal hatte sich schon mehrfach mit Andresen über die Lage und seine ablehnende Haltung gegenüber dem Naziegime besprochen. Andresen erklärte sich spontan bereit, sich an der Aktion zu beteiligen. Zwischenzeitlich hatte sich auch der Student Hermann Weill der Wiedenhofen-Gruppe angeschlossen. Weill, nach der Terminologie des NS-Staates Halbjude, lebte versteckt im Haus von Dr. Wiedenhofen. Auch er hatte sich, als er von Wiedenhofen angesprochen worden war, spontan zur Unterstützung der Gruppe bereit erklärt.

Die Ereignisse am 16. und 17. April 1945

Am Morgen des 16. April 1945, einem Montag, begaben sich Odenthal und Andresen in die Wohnung von Dr. August Wiedenhofen. Hier hatten sich bereits Dr. Müller, Knab und Weill eingefunden. Am Vormittag wurde aus der Wohnung Wiedenhofens mehrfach mit Oberstleutnant Jürgens telefoniert. Bei diesen Telefonaten berichtete Jürgens über eine anstehende wichtige Entscheidung bezüglich der weiteren Verteidigung Düsseldorfs. Er sagte zu, sich zu melden, wenn diese Entscheidung gefallen sei. Gegen 13.00 Uhr erreichte die wartenden Männer dann der Anruf von Jürgens: Man müsse unverzüglich handeln. Die amerikanischen Truppen stünden vor den Toren der Stadt; Partei und Wehrmacht bereiteten die Verteidigung bis zur letzten Sekunde vor. Ihm Jürgens, sei vom Polizeipräsidenten Korreng befohlen worden, die Stadt zu verteidigen.

Generalfeldmarschall Model, Kommandant des Ruhrkessels und gerade erst seit dem 15. April 1945 auch Stadtkommandant von Düsseldorf, hatte damit begonnen, seine Einheiten auflösen zu lassen.

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